Im Rahmen des neuen Forschungsförderungsprogramms "Angewandte Forschung an Fachhochschulen im Verbund mit der Wirtschaft" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung wird mit Wirkung vom 1. März 2005 ein dreijähriges Projekt zum Thema "Computergestütztes Case Management in der Kinder- und Jugendhilfe" gefördert. Das von der Katholischen Fachhochschule Mainz, vertreten durch Prof. Dr. Peter Löcherbach und Prof. Dr. Thomas Hermsen, beantragte und im Verbund mit der Katholischen Fachhochschule NW (Prof. Dr. Hugo Mennemann), dem Institut für Kinder- und Jugendhilfe (Prof. Dr. Michael Macsenaere), der Gesellschaft für Beratung sozialer Innovation und Informationstechnologie (GEBIT, Dr. Friedrich-Wilhelm Meyer) und dem Landschaftsverband Rheinland durchzuführende Vorhaben konzentriert sich insbesondere auf die Analyse eines neuen methodischen Konzepts in der Sozialen Arbeit, dem Case Management.
Case Management (CM) als Handlungsansatz
Der Ansatz des Case Management wurde ursprünglich in den USA als Erweiterung der Einzelfallhilfe entwickelt. CM soll Fachkräfte im Sozial- und Gesundheitswesen befähigen, unter komplexen Bedingungen Hilfemöglichkeiten abzustimmen und vorhandene institutionelle Ressourcen im Gemeinwesen oder Arbeitsfeld koordinierend heranzuziehen. Aufgabe ist es, ein zielgerichtetes System von Zusammenarbeit zu organisieren, zu kontrollieren und auszuwerten, das am konkreten Unterstützungsbedarf der einzelnen Person ausgerichtet ist und an deren Herstellung die betroffene Person konkret beteiligt wird. Durch Förderung der Integration in der Versorgung bindet CM alle Akteure in den Prozess ein und sichert dadurch die Qualität der Dienstleistungen. Ziel ist eine Qualitätsgewährleistung, die untrennbar verknüpft ist mit der Sicherung von Konsumentenrechten. Relevant im Case Management ist die Unterscheidung von Fallmanagement (Optimierung der Hilfe im konkreten Fall) und Systemmanagement (Optimierung der Versorgung im Zuständigkeitsbereich).
CM-Handlungsansatz
Zielsetzung des Projektvorhabens
Obwohl CM bereits in vielen Arbeitsfeldern der Gesundheits- und Altenhilfe Anwendung findet, ist der Nutzwert des CM weitgehend unerforscht, ganz explizit gilt dies für den Bereich der Kinder- und Jugendhilfe. Zur Beurteilung der Wirksamkeit von Maßnahmen unter Anwendung des CM liegen bisher keine empirischen Befunde vor. Das Projektvorhaben hat sich zum Ziel gesetzt, unter besonderer Berücksichtigung der Hilfen zur Erziehung (§ 27 ff. SGB VIII) eine empirische Standortbestimmung des Handlungskonzeptes CM vorzunehmen. Konkret werden folgende Zielsetzungen verfolgt:
Erstens: Ausbau des Softwareprogramms GeDok
Um Verfahren der wirkungsorientierten Steuerung im Bereich Hilfen zur Erziehung dauerhaft und überregional vergleichend einsetzen zu können, wird das von einigen kommunalen Jugendämtern eingesetzte Softwareprogramm GeDok in der Weise optimiert, dass eine systematische und empirisch abgesicherte datenbasierte Erfassung, Dokumentation und Auswertung fallbezogener und systembezogener Daten ermöglicht wird. Im Vordergrund steht die Ermittlung aller relevanten Daten zur Analyse der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität auf der Basis des CM.
Zweitens: Evaluation von Wirkungszusammenhängen
Die gewonnenen Informationen werden ergänzt um spezifische Fragen zur Wirkungsweise von CM. Sie bilden die Datengrundlage für eine prospektive Evaluation. In der wissenschaftlichen Literatur zum CM wird oftmals unterstellt, dass es mit der Einführung von CM nicht nur zu einer bedarfsgerechten Ausschöpfung der Hilfsmöglichkeiten des gesamten Leistungskatalogs der Hilfen zur Erziehung kommt, sondern auch, dass mittels CM sowohl die Effektivität und Effizienz der Hilfeleistung (Reduzierung der Kosten bei gleichen Effekten, gleiche Kosten bei höheren Effekten, Anschlusshilfen entfallen) erhöht wird, die Kooperationsbereitschaft des Klienten zunimmt und damit die subjektive Zufriedenheit im Hilfeprozess gesteigert wird. Verbessert wird, so die Annahme, auch der Aufbau von Ressourcen, der Abbau von Defiziten bei den betroffenen jungen Menschen und deren Familien sowie die Mitarbeiterzufriedenheit in den beteiligten Institutionen. Das Forschungsprojekt hat sich zum Ziel gesetzt, diese Grundannahmen zu überprüfen.
Beteiligung Jugendämter in Nordrhein-Westfalen
Zur Durchführung der Studie werden Jugendämter gesucht, die mit oder ohne CM (Experimental- und Kontrollgruppe) arbeiten und die im Rahmen des Projektes in der Studie mitarbeiten. Wir haben uns für das Kontrollgruppendesign entschieden, weil wir nur so die Effekte sinnvoll messen können. Der Aufwand für die am Projekt beteiligten Jugendämter besteht in der Bereitstellung von Zeitressourcen für die beteiligten Fachkräfte (2-3 Projekttage pro Jahr, Dokumentation der Fallarbeit, Ausfüllen der Evaluationsinstrumente). Die beteiligten Jugendämter partizipieren unmittelbar von den Projektergebnissen und erhalten ein Instrumentarien, das es ihnen ermöglicht, zukünftig Tools einzusetzen, die Fallsteuerung und Auswertung transparent machen. Die Jugendämter der Experimentalgruppe werden direkt in die Weiterentwicklung der Software eingebunden, die Jugendämter der Kontrollgruppe erhalten durch die Evaluationsstudie eine kostenlose Analyse ihrer Arbeits- und Geschäftsprozesse hinsichtlich der Effektivität und Effizienz der Hilfemaßnahmen und können im Anschluss an das Projekt die entwickelte Software zu Sonderkonditionen erwerben. Informationsveranstaltung Auf einer Informationsveranstaltung am 28.06.2005 wird das Projekt insgesamt vorgestellt und Sie erhalten die Gelegenheit noch ausstehende Fragen mit den durchführenden Instituten und dem LVR zu erörtern.
